SILVERRUDDER 2016

„Rundt Fyn“ mal auf die Schnelle mit Grinde „Ella“

SILVERRUDDER 2016

Die vom Svendborg Amateur Sejlclub initiierte Einhand-Segelei rund um die Insel Fünen wurde 2012 ins Leben gerufen. Damals segelten 15 Boote um die Insel. In den Folgejahren explodierten die Meldezahlen förmlich und erreichten 2016 mit über 400 Booten ihren vorläufigen Höhepunkt.

Da ich diese „Challenge“ von Beginn an mit Interesse verfolge, gab ich mir im Frühjahr einen Ruck und meldete mich mit „Ella“ an. Ihr 40. Geburtstag stand an und ich dachte, dass dieses Event eine schöne Feier sein könnte. Das Meldegeld war im Frühjahr noch moderat und es sollte monatlich steigen, je näher der Starttermin rückte. Der damit ausgelöste „Sparzwang“ führte dazu, dass die Startplätze schon im Mai ausgebucht waren. Von den 435 angemeldeten Seglern gingen schließlich 275 an den Start.

Als künftiger „Ironman of the sea“ segelte ich die um etliche Pfunde Urlaubsspeck erleichterte „Ella“ einen Tag vor dem Start bei wunderschönem Spätsommerwetter unter Spinnaker von Kiel nach Svendborg.

Im Vorfeld hatte es etwas Aufregung wegen der Wetterprognosen gegeben. Einige Vorhersagedienste hatten gerade für die erste Nacht von Freitag auf Samstag Starkwind aus westlichen Richtungen angekündigt. Davon war nun aber nicht viel übrig geblieben. Für Freitagabend wurden im Mittel 18 kn Wind (4-5 Bft.) aus westlichen Richtungen versprochen. Sollte also kein Problem sein...

In Svendborg fand ich den Stadthafen gut gefüllt mit den Startern aus allen Größenklassen vor. Vom Jollenkreuzer mit 15qm Segelfläche über Tri- und Katamarane bis hin zu X-Yachts mit knapp 45 Fuß war alles vertreten. Altes und neues, modernes und klassisches. Die größte Gruppe bildeten die X 79 und X 99 mit zusammen fast 30 gemeldeten Schiffen. Eine andere Grinde konnte ich nicht finden, aber immerhin war ein Spaekhugger zu sehen.

Bei der Anmeldung bekam ich Startnummern und einen AIS-Tracker ausgehändigt und musste schriftlich bestätigen, dass die geforderte Sicherheitsausrüstung an Bord ist. Beim abendlichen Skippermeeting wurde uns dann eröffnet, dass „the island of Fyn stays on your port-side“ , wir also gegen den Uhrzeigersinn starten würden.

Nach kurzer Nacht machte ich mich Freitagmorgen gegen 0745 auf zur Startlinie, da der erste Start der „kleinen Kielboote“ (25-30ft.) um 0830 erfolgen sollte. Erster Befund: Kein Wind! Aber auch gar keiner .“ Zweiter Befund: westsetzender Strom im Svendborg-Sund mit ca. 2 sm/h. Das kann ja heiter werden!

Der erste Start um 0800 für die Mini-Kielboote wurde pünktlich gegeben. Kein Boot schaffte es über die Linie. Ich konnte das genau von meinem Ankerplatz östlich der Brücke beobachten.

Dann kam unser Startsignal und immer noch kein Wind. Von den Minis war immer noch keiner über die Linie. Ich guckte immer wieder möglichst unauffällig über die Schulter nach Westen, ob Wind kam. Leider Fehlanzeige. Die Minuten verstrichen. Da! Um 0845 kräuselte sich das Wasser! Schnell das schlaffe Großsegeln gefiert und den Anker hoch. Spinnaker gesetzt! „Ella“ schleppt sich tatsächlich nach Osten und um 0855 wird die Startlinie überquert. Es geht tatsächlich los!

Zusammen mit zahlreichen anderen Schiffen aus der Gruppe Mini-Kielboote und kleine Kielboote musste nun der Svendborgsund bzw. dessen starke Strömung bezwungen werden.

Kaum hinter Svendborg schlief der Wind wieder ein. Dafür gab es einen heftigen Regenschauer. Minute für Minute quälten wir uns voran, manchmal froh, nicht zurückgetrieben zu werden. Als ich nach ca 1 Stunde kurz vor Troense war, kam endlich ein Westwind mit 10-12 kn und mit einigen kurzen Schlägen wurde das Fahrwasser duchkreuzt. An der Lunkebugt ging dann der Spi wieder hoch und „Ella“ flog wild schäumend Richtung Thurö Rev. Erstaunlich, dass wir gut mit den heissen Racern mithalten konnten.

Bei der Kardinaltonne musste gehalst werden und auf Steuerbordbug ging es mit halbem Wind und rauschender Höchstfahrt den Langeland Belt hinauf. Der Strom half ordentlich mit, sodass wir gegen 1400 vor der Storebaeltbroen waren.

Leider hatte der Wind zwischenzeitlich gedreht, so dass an Spinnakern nicht mehr zu denken war. Mit Genua 1 und Groß ging es weiter und mal lag Romsö in Luv und dann wieder in Lee. In der Kerteminde-Bucht drehte der Wind einige Male sehr nordwestlich und die Stimmung an Bord bekam einen gewissen Dämpfer.

Aber dann wurde alles gut. Romsö Westrev konnte gerade so passiert werden und Fyns Hoved kam in Sicht. Die Genua 3 hing schon angeschlagen am Stag, denn es sollte ja auffrischen. Und tatsächlich, gegen 1700 hatten wir rund 18 kn Wind aus West. Das Programm für die Nacht stand damit fest: Kreuzen bis Middelfart.

In langen Schlägen bahnte sich der betagte Doppelender seinen Weg nach Westen. Vor Einbruch der Dämmerung legte ich noch ein Reff ein und die Grinde war in ihrem Element. Mit fast 6 kn ging es voran. Ein Hoch auf die neue Genua 3! Leider kam die Welle auf Backbordbug sehr weit vorlich und das Boot krachte heftig durch die Wellen, die ich bei der früh einbrechenden Dunkelheit auch nicht mehr aussteuern konnte. Also „Augen zu und durch“.

Die Nach war sternenklar und warm. Die Positionslichter der zahlreichen Segler vor, hinter und neben mir gaben eine unvergleichliche Kulisse. Sogar ein leichtes Meeresleuchten war vorhanden. In Höhe Bogense schaute sich dann ein halber Mond das Spektakel von oben an.

Gegen 0200 erreichten wir nach vielen Kreuzschlägen im enger werdenden Belt den Leuchtturm von Strib. Der Wind nahm ab und vor der Brücke wechselte ich noch auf die Genua 1. Eine gute Entscheidung, denn hinter der Brücke war der Wind fast Null. Zu unserem Glück setzte der Strom nach Westen, sodass wir immerhin Fahrt über Grund machen konnten. Hinter Fanö war auch das aber fast vorbei und gegen 0500 parkte „Ella“ mit zahlreichen anderen Booten in der Flaute ein. Das Boot bewegte sich kaum noch, die Koje rief immer lauter. Aber leider gab es keine Chance auf Schlaf. Der Tiefpunkt der Reise war erreicht.

Etwa eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang setzte plötzlich der versprochene SW-Wind mit ca. 10 kn ein und es ging auf am Wind Kurs weiter. Ein herrlicher Tag brach an mit Sonne und Wind und guter Geschwindigkeit. Die Küste flog nur so vorbei: Brandsö, Bagö, Helnaes-Fyr und schließlich abfallen zur Einfahrt in den Svendborg-Sund bei Lyö.

Mit halbem Wind konnte nochmal richtig Speed gemacht werden, später sah uns Skarö sogar unter Spinnaker, der uns dann auch durchs Ziel brachte. Die Stoppuhr zeigte 29h 39 min und 12 sec seit dem Startschuss. Rund 150 sm liegen im Kielwasser, was einen Schnitt von rund 5 kn ergibt. Angesichts der Flautenstunden kein schlechtes Ergebnis. Der „Gewinner“ war übrigens Jens Quorning (Dragonfly), der für die Strecke in seinem Carbon-Trimaran etwa die Hälfte meiner Zeit brauchte.

„Ella“ erreichte in ihrer Startergruppe den 9 Platz. Der Skipper ging nach dem Festmachen zum Organisationsbüro um den Tracker abzugeben und die Finisher-Kappe in Empfang zu nehmen. Dann ging es nach Marstal um am nächsten Tag wieder in Kiel zu sein.

Wer Interesse an einer Teilnahme hat, sollte die Seite www.silverrudder.com aufmerksam verfolgen und den Meldetermin nicht verpassen.

Folgende Tipps möchte ich Interessenten noch geben:

Bei der Anreise sollte man ruhig schon zwei Tage vor dem Start in Svendborg sein. Die Atmosphäre im Hafen ist einfach unvergleichlich.

Besorgt euch gute Wetter- und Stromvorhersagen. Sehr gut ist nach meiner Erfahrung die Seite www.fcoo.dk, www.dmi.dk und www.windyty.com. Insbesondere der Strom sollte genau beobachtet werden.


Oben: Das Siegerschiff

Die Wurstflagge ist verschwunden!

Wir haben keine „Klassenflagge“ mehr für das letzte gemeinsame sportliche Ereignis des TSV Schilksee und des Schilkseer Yachtclubs! Die Wettfahrtleitung verspricht im nächsten Jahr für Ersatz zu sorgen.

21 Schiffe haben zur diesjährigen Wurstregatta gemeldet, 10 Yachten aus dem TSVS und 11 aus dem SYC. Ein schönes Teilnehmerfeld, doch mit Platz nach oben. Das Wetter ist super: Sonne, 22° Lufttemperatur auf See, Wind mit 5, in Böen hoch bis 6 aus SE - und das Ende September in Norddeutschland.

Wir sind das erste Mal dabei, mit unserem Kleinen ¼ Tonner von Elvström SINIK, das zweit-kleinste Boot im Feld. Nur der Racer Minitransat 650 the Tom Crean ist noch etwas kürzer. Der Wind ist nicht für unser Boot gedacht, das für Schwachwind konzipiert wurde. Aber den Tag lassen wir uns nicht entgehen. Wir sind mit einer Fock eines Minitransat 650-Racers unterwegs, vielleicht hilft das, sie kennt diesen Wind. Eigentlich ist sie aber ca. 2m² zu klein ist für unser Boot. Wir sind zu dritt, wobei ein Crew-Mitglied noch keine drei Jahre alt ist, sich aber an Bord bei Wind und Wetter wohl fühlt.

Wir laufen aus, setzen Segel und genießen die leichte Anspannung vor der Starlinie. Sind lange keine Regatten mehr gesegelt - den Start vermasseln wir dann auch und gehen ziemlich spät über die Linie. So haben wir den Vorteil, dass uns niemand stört. Peit mit seinem H-Boot ist vor uns in Sichtweite und das soll auch so bleiben, er ist für die Grillwurst nach der Regatta zuständig und die soll schon heiß sein, wenn wir an Land kommen. Wir liefern uns ab jetzt ein kleines Rennen mit Malamok, die aber mit einer deutlich höheren Yardstickzahl ins Rennen gegangen ist. Wir konnten noch nie bei frischem Wind gegen ein Folke gewinnen. Wer wohl diese Yardstickzahlen ausklamüstert hat?

Das Segeln ist fantastisch. Unsere kleinstes Crew-Mitglied macht es sich in der Koje gemütlich uns schläft innerhalb von Sekunden ein. Außer uns sind noch alle anderen in der Kieler Bucht beheimateten Yachten auf dem Wasser - gefühlt jedenfalls. Es ist viel los und man kann das eine oder andere sportliche Manöver sehen. Auch eine Menge Traditionsschiffe sind unterwegs, es fühlt sich fast an wie zur Kieler Woche. Adrian Wolf, „unser“ BFDler, ist mit dem Schlauchboot dabei und schießt eine Menge Fotos. Wir werden die besten davon später hier zeigen.

Wir haben das Folkeboot überholt. Aber der Wind, anfangs mit 4-5 Bft an der oberen Grenze für unser Boot, frisch weiter auf. Sollen wir jetzt reffen? Das Folke würde dies schamlos ausnutzen. Wir beschließen, mit Vollzeug weiterzusegel und wenn es nicht mehr gehen sollte, zum Hafen abzulaufen. Wir denken olympisch, das ist heute wichtiger als das Letzte aus Boot und Crew herauszuholen. So kommt es dann auch, nach der zweiten Kleverberg-Ost-Rundung laufen wir ab. Es wird eine tolle Rückfahrt an einem wunderschönen Segeltag.

Zurück im Hafen trocknen wir die Segel und wünschen uns, dass die Saison noch zwei Monate so weiter geht. Die Wurst ist schon heiß, als wir zum Vereinsheim kommen. Nun noch schnell das feierliche Saisonende begehen und die beiden Clubstander einholen und dann ein kühles Blondes mit Würstchen und Kartoffelsalat genießen.

Das war ein wirklich gelungener Saisonabschluß. Vielen Dank an die Organisatoren, die Regattaleitung und an Peit für die Wurst!

Nicht genug gesehen? Das eigene Schiff ist nicht dabei? Dann stöbert mal hier, da gibt es noch mehr Bilder!

Alle Regatta-Bilder von Adrian Wolf (TSVS).